Freemium vs. Paid: Die richtige Preisstrategie für SaaS-Produkte und Agenturen

Veröffentlicht am 25.09.2025
Lesezeit: 5 Minuten
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Freemium vs. Paid: Die richtige Preisstrategie für SaaS-Produkte und Agenturen

Freemium vs. Paid: Welche Preisstrategie passt zu deinem SaaS-Business?

Die Wahl der richtigen Preisstrategie ist für viele SaaS-Unternehmer und Agenturinhaber eine der wichtigsten Weichenstellungen. Kaum eine Entscheidung beeinflusst Wachstum, Markenwahrnehmung und Kundenbindung so stark wie die Frage: Freemium oder Paid? In diesem Blogpost schauen wir uns beide Modelle genau an und beleuchten, wann welches Modell sinnvoll ist – und wie du unnötige Fehler vermeidest.

Was bedeutet Freemium – und für wen ist es geeignet?

Freemium – ein Kofferwort aus „free“ und „premium“ – bedeutet, dass ein Basisprodukt kostenlos angeboten wird, während Premium-Features kostenpflichtig sind. Der Nutzen: Nutzer können die Software risikolos ausprobieren und erst bei Bedarf upgraden.

Freemium eignet sich vor allem, wenn...

  • dein Markt groß genug ist und du eine breite Zielgruppe ansprechen willst,
  • dein Produkt viral ist und von Netzwerk-Effekten profitiert,
  • deine Infrastruktur skalierbar ist und niedrige Grenzkosten hat,
  • du viele Nutzer in zahlende Kunden umwandeln (konvertieren) kannst.

Beispiele sind bekannte Tools wie Slack, Dropbox oder Trello. Sie setzen darauf, dass viele Anwender irgendwann so stark vom Tool profitieren, dass sie bereit sind, für Mehrwert zu zahlen.

Paid-Only: Fokus auf zahlende Kunden

Beim Paid-Modell ist der Zugang von Anfang an kostenpflichtig. Es gibt vielleicht eine Testversion, aber keine komplett kostenfreie Nutzung. Paid eignet sich besonders, wenn...

  • dein Produkt einen klaren, spürbaren Mehrwert liefert, der sofort erlebbar ist,
  • du dich an eine spitze Zielgruppe richtest, die bereit ist, für Qualität zu zahlen,
  • Support- und Infrastrukturkosten pro Nutzer hoch sind und Gratisnutzer teuer wären,
  • du den Kundenwert (CLV) schnell steigern möchtest.

Typische Beispiele sind spezialisierte B2B-Tools, Designsoftware oder Enterprise-Lösungen, bei denen der ROI für den Kunden sofort nachvollziehbar ist.

Freemium: Chancen, Fallstricke und Best Practices

Freemium ist kein Selbstläufer. Viele SaaS-Anbieter unterschätzen die Herausforderungen:

  • Conversion-Rate: Nur ein kleiner Teil der Gratisnutzer wird zahlt. Eine Conversion-Rate von 2–5 % ist üblich. Der Rest verursacht trotzdem Kosten.
  • Feature-Kanon: Welche Features sind gratis, welche kostenpflichtig? Zu wenig Anreiz = keine Upgrades. Zu viel gratis = kein Grund zu zahlen.
  • Support und Qualität: Auch kostenlose Nutzer erwarten Support und eine funktionierende Software.
  • Monetarisierung: Wenn das Upselling nicht klar kommuniziert ist, nutzt die Mehrheit die Gratisversion – und bleibt dort.

Best Practices:

  • Definiere klar die Grenze zwischen Free und Paid.
  • Zeige immer wieder den Mehrwert von Premium-Features auf.
  • Automatisiere Support- und Onboarding-Prozesse, um Kosten zu sparen.
  • Analysiere regelmäßig, welche Gratisnutzer Potenzial haben – und sprich sie gezielt an.

Paid-Modelle: Weniger Friction, klarere Wertschöpfung

Das Paid-Modell hat viele Vorteile: Du gewinnst von Anfang an zahlende Kunden und kannst dich auf deren Bedarf fokussieren. Nachteile sind höhere Hürden für neue Nutzer und die Notwendigkeit, sofort überzeugen zu müssen.

Paid funktioniert besonders gut, wenn dein Produkt direkt ein Problem löst, das dem Nutzer wirklich wehtut. Hier sind einige Tipps:

  • Biete eine zeitlich begrenzte Testphase an, um Friction zu reduzieren.
  • Kombiniere Paid mit Geld-zurück-Garantie oder flexiblen Zahlungsmodellen.
  • Stelle den konkreten Nutzen und ROI sofort in den Vordergrund.
  • Segmentiere dein Angebot für unterschiedliche Zielgruppen (z.B. Einsteiger, Profis, Unternehmen).

Ein gut gemachtes Paid-Modell ist besonders profitabel, wenn dein Produkt eine loyale, zahlungskräftige Zielgruppe anspricht und du keine Ressourcen in große Gratis-Nutzerzahlen investieren kannst oder willst.

Praxisfragen, die du dir stellen solltest

  • Wie skalierbar ist mein Produkt? Kann ich viele Gratisnutzer verkraften, ohne dass Support und Infrastruktur explodieren?
  • Wie hoch ist mein Customer Lifetime Value (CLV) im Vergleich zu den Akquisekosten?
  • Wie stark ist mein Markt segmentiert? Gibt es einen breiten oder engen Zielmarkt?
  • Bringt mein Produkt virale Effekte mit, die durch viele Nutzer entstehen?
  • Habe ich die Ressourcen, um regelmäßige Upsells und Produkt-Weiterentwicklung zu stemmen?

Fazit: Es gibt kein „One Size Fits All“

Am Ende kommt es auf deine Ziele, dein Produkt und deinen Markt an. Freemium kann ein starker Wachstumstreiber sein, birgt aber auch das Risiko hoher Kosten und niedriger Monetarisierung. Paid setzt früh auf zahlende Nutzer und sorgt für klare Wertschöpfung – spricht aber weniger Leute an und braucht ein starkes, sofort erlebbares Nutzenversprechen.

Viele erfolgreiche SaaS-Anbieter wechseln übrigens im Lauf der Zeit ihre Strategie – oder bieten eine Mischung aus beidem an (z.B. Freemium mit stark limitierten Features, Paid mit erweiterten Modulen). Wichtig ist, dass du regelmäßig misst, wie effizient Akquise, Conversion und Kundenbindung wirklich laufen – und mutig genug bist, deine Strategie anzupassen, wenn nötig.

Mein Tipp: Sprich mit deinen Nutzern, analysiere dein Pricing und bleibe flexibel. Es geht am Ende nicht um Freemium oder Paid – sondern darum, wie du den größtmöglichen Mehrwert für deine Kunden schaffst und dabei profitabel bleibst.

Hannes Fehre

Über den Autor

Ich bin Hannes Fehre, Gründer von BootHtml. Seit 2020 teile ich mein umfangreiches Technik-Wissen und unterstütze Unternehmen bei der digitalen Transformation. Mit My-Coach-Finder als eigenden erfolgreichen SaaS-Unternehmen. Und einer Passion für innovative SaaS-Lösungen helfe ich Ihnen, Ihr Business auf das nächste Level zu heben.